Diesellokomotiven Ns 2f

Diesellok Ns 2fSeit der Eröffnung der Pioniereisenbahn Halle (Saale) bestimmt die Diesellokomotive Typ Ns 2f aus dem VEB LOWA Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg (heute Potsdam) das Erscheinungsbild unserer Bahn.

Diese Lokomotiven der Baureihe Ns 2f wurden von 1952 bis 1959 in Babelsberg für den leichten Strecken- und Rangierdienst gebaut und kamen bei zahlreichen Werkbahnen zum Einsatz. Mit der schlichten Fabriknummer 262216 wurde unsere dienstälteste Lokomotive im Jahr 1959 gefertigt und nach Halle (Saale) ausgeliefert.

In Spurweiten von 600 bis 760 mm und in Varianten Ns2/Ns2ak (einschließlich Ns2g für den Untertagebetrieb) wurden 1.318 Maschinen dieses Typs gebaut. Zur Leipziger Herbstmesse 1952 stellte die LOWA die Ns 2 aus und ihren Messebesuchern vor. Außer in der DDR wurde nach Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien, um nur einige Länder zu nennen, geliefert.

Im Jahr 1960, als die Pioniereisenbahn in Halle (Saale) eröffnet wurde, endete in Babelsberg die Auslieferung von Feldbahnlokomotiven. Als einzige Lokomotive der Pioniereisenbahn Halle trug unsere damals die Nummer V03 001, musste sich bis zu ihrer heutigen Einordnung als 399 611-3 jedoch noch einige andere Bezeichnungen gefallen lassen.

Anlässlich der X. Arbeiterfestspiele - durchgeführt im damaligen Bezirk Halle - kamen 1967 zwei weitere Lokomotiven des Typs Ns2f (heute bezeichnet mit 399 612 und 399 613) nach Halle. Mit den Fabriknummern 248875 und 248879 hatten sie 1957 von LOWA ausgeliefert ihr erstes Einsatzgebiet beim VEB Ingenieurbau Berlin.

Die Ns 2f besitzt einen Außenrahmen und verfügt über einen Stangenantrieb mit Blindwelle. Die maximale Zugkraft der nur 6,2 t schweren Lokomotive beträgt beachtenswerte 120 t!

Angetrieben werden unsere Lokomotiven heute von einem luftgekühlten Zweizylinderdieselmotor aus dem Dieselmotorenwerk Schönebeck/Elbe mit Kaltstarteinrichtung an der Einspritzpumpe. Im Auslieferungszustand war es ein wassergekühlter Zweizylinder-Reihenmotor mit 30 PS („AktivistMotor“), und weil unsere Lokomotive bis 1967 ausschließlich unter freiem Himmel abgestellt war, wurde nicht selten mit offenem Feuer vorgewärmt. Neben dem Einbringen von Glühkerzen waren es mitunter spektakuläre Aktionen, um mit einer Fackel oder mit brennender Putzwolle auf Motor, Kühl- und Abgasanlage loszugehen.

Das Dreiganggetriebe ist mit Lamellen-Gangkupplung versehen. In den einzelnen Gängen werden die Geschwindigkeiten 4 km/h, 8 km/h und 14 km/h erreicht. Der Gangwechsel erfolgt durch ein Handrad über eine Zahnkupplung. Der Antrieb beider Achsen erfolgt über eine Blindwelle und Kuppelstangen.

Eine Wurfhebelbremse wirkt auf die vier Räder. Für den Einsatz bei der Pioniereisenbahn wurde eine zusätzliche Einkammer-Druckluftbremse eingebaut. Der Druckbehälter ist in dem im oberen Teil schräg verkleideten Anbau hinter dem Führerstand untergebracht.

Die Lokomotive ist mit elektrischer Beleuchtung (innen und außen), Signaleinrichtung (pneumatisch und elektrisch), Sandstreuer und für die Pionier/Parkeisenbahn mit der halbautomatischen Mittelpufferkupplung BKF 72 ausgerüstet. Die Achsen ruhen auf Gleitlagern, die Lager der Kuppelstangen sind mit Nadelschmierung ausgerüstet.

Unsere Jubilarin hat ausschließlich auf der halleschen Peißnitzinsel ihre Dienste verrichtet. Sie ist uneingeschränkt und zuverlässig wie im Jahr der Eröffnung der Pioniereisenbahn 1960 im Einsatz. Im Vergleich zu ihren Schwesternlokomotiven weist sie eine „Laufruhe“ aus, die sie bei den Triebfahrzeugpersonalen gleichermaßen beliebt gemacht hat, wenngleich der Begriff „Ruhe“ dem technischen Stand der Entwicklung von vor 50 Jahren Rechnung getragen werden muss.

Die Streckenlänge der Parkeisenbahn beträgt fast genau 2 km. Diesen Kurs hat unser „Geburtstagskind“ in ihren „50 Lebensjahren“ seit der ersten Fahrt am 12. Juni 1960 mehr als 40.000 mal zurückgelegt. Damit hat sie die Erde auf dem Äquator nicht weniger als 2 mal umrundet. Den Konstrukteuren von damals, den Instandhaltungs- und Pflegepersonalen und den Lokomotivführern bescheinigt eine derartige Bilanz eine sehr, sehr gute Arbeit.

Wir wünschen unserer „alten Dame“ noch viele und arbeitsreiche Einsätze in Halle und allzeit Gute Fahrt.

 

Technische Daten - Diesellokomotive Ns 2f (nach Umbau für PE Halle)

Spurweite [mm] 600
Achsanordnung B
Länge über Puffer [mm] 3555
größte Höhe [mm] 2225
größte Breite [mm] 1148
Dienstgewicht [t] 6,5
Höchstgeschwindigkeit [km/h] 14
Kraftübertragung mechanisch, Stangenantrieb
Leistung [kW] 25,4
Bremsausrüstung direktwirkende, nichtselbsttätige Druckluftbremse, Wurfhebelbremse als Feststellbremse
Hersteller LKM