Bahnanlage

Die Streckenführung unserer Bahn hat sich seit dem Eröffnungstag mit Ausnahme des später gebauten zweiten Bahnhofsgleises nicht verändert.

Bahnhofsgebäude in HolzbauweiseAlle Hochbauten waren Holzbauten, die im Laufe der Jahre verschlissen und kaum noch nutzbar waren. 1963 wurde der Haltepunkt Naturschutzpark aufgelöst, die Bahnsteigsperre, liebevoll „Wanne“ genannt, verschwand, im Streckenkilometer 1,32 entstand 1968 der neue Schrankenposten Saaleaue, während nach Abriss des Sprungturmes für Fallschirmspringer dieser Haltepunkt in Birkenallee umbenannt wurde. Der stets unbedeutend gebliebene Schrankenposten Spielplatz im Streckenkilometer 0,71 wurde in einen Bahnübergang ohne technische Sicherung umgewandelt.

Im Jahr 1968 entstand an der Blockstelle Schwanenbrücke ein Lokschuppen von 9 m Breite und 10 m Länge, der in den Jahren 1988/89 auf 42 m Länge bei gleichzeitiger Erhöhung der Gleislage um 40 cm vergrößert wurde und mit seinen zwei Gleisen jetzt allen Fahrzeugen Unterstellraum bietet. Neben dem Lokschuppen befindet sich ein weiteres Gleis mit einer Arbeitsgrube zur Instandhaltung der Fahrzeuge. Mit dem Bau des Lokschuppens wurde die Blockstelle zu einer Anschlussstelle und später zum Bahnhof.

Zwischen den Streckenkilometern 1,7 und 1,9 verlegte man 1970 erstmals Betonschwellen. Um das Gleisniveau um 50 cm zu heben, wurden mehr als 200 Tonnen Gleisschotter benötigt. Diese Maßnahme war durch wiederholtes Saalehochwasser notwendig geworden. Für das Hochwasser des Jahres 1994 mit 6,83 m Pegelstand war diese Niveauerhöhung jedoch nicht ausreichend. Dafür hätte man wohl die gesamte Peißnitz um fast 2,5 m heben müssen!

Bahnhof Peißnitzbrücke im BauAm 1. Mai 1976 erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Gebäudes des Bahnhofs Peißnitzexpress, das mit seiner Grundfläche von 5 x 48 m rund fünfmal größer als das vorherige zweiräumige Holzgebäude ist. In Feierabendtätigkeit entstand dieses Bauwerk in nur drei Monaten Bauzeit. U. a. beinhaltet das Gebäude getrennte Räume für Lokführer, Zugbegleitpersonal, Fahrkartenausgabe, Fahrdienstleiter und Betriebsleiter sowie einen Unterrichtsraum.

Die Streckenposten hatten zeitweise keine Gebäude, da, wie bereits beschrieben, die Holzbuden von nur einem Quadratmeter Grundfläche verschlissen waren und abgerissen werden mussten. Ein standardisierter Metallleichtbau, 2,5 mal größer als die ersten Gebäude, montiert und errichtet durch ein ehemaliges hallesches Unternehmen, ersetzt seit 1978 die Holzbuden. Zur Installation der Sicherungstechnik erhielt der Bahnhof Schwanenbrücke zwei Gebäude dieser Art.

 

Leit- und Sicherungstechnik

Stellwerke sorgen für einen sicheren Betrieb einer Eisenbahn und werden heute dem Fachbereich „Leit- und Sicherungstechnik“ bei der DB Netz AG zugeordnet. Sie regeln zumeist nicht nur die Zugfolge und damit den Zugfolgeabstand, sondern den Eisenbahnbetrieb mit seinen Zugfahrten und Rangierbewegungen schlechthin.

Moderne elektronische (Industrierechner-) Stellwerke haben bei den europäischen Bahnen über ganze Strecken hinweg die historischen Stellwerkstechniken mit ihren Personalen abgelöst. Der Fahrdienstleiter von heute sitzt in hochtechnisierten Betriebszentralen und ist für große Bereiche zuständig. Die Stellwerke „vor Ort“ bzw. der Betrieb dieser Stellwerke wird immer öfter eingestellt.

Die hallesche Parkeisenbahn hat sich mit ihren Bahnhöfen, der Blockstelle und den Bahnübergangssicherungsanlagen auch die Aufgabe gestellt, die aussterbenden Stellwerkstechniken der Deutschen Reichsbahn (DR) im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu bewahren und zu betreiben. Es ist deshalb nicht ungewollt, dass von den sogenannten „Reichsbahn-Einheitsschranken“ – es gibt bei der Parkeisenbahn Halle drei davon – immer noch eine richtig von Muskelkraft gekurbelt werden muss!

Der Bahnhof Peißnitzexpress als betriebsleitende Stelle der Parkeisenbahn verfügt über ein Relaisstellwerk, wie es bei der DR schon fast Hochtechnologie war: Gleisbildpult, Lichthauptsignale, Rangiersignale, elektrisch gestellte Weichen, isolierte Schienenabschnitte und Relaisblock sorgen für einen sicheren Zugbetrieb nach DB-Standard. Das Stellwerk bietet alle Möglichkeiten für den sicheren eingleisigen Betrieb der Parkeisenbahn sowie für Rangierarbeiten. Der interessierte Besucher sollte deshalb durchaus das Personal der Parkeisenbahn ansprechen, um einen Blick in dieses Stellwerk werfen zu dürfen. Das Gleisbildpult mit seinen 160 Feldern und die umfangreiche Relaisanlage werden ihn erahnen lassen, welcher Aufwand für die Betriebssicherheit einer Eisenbahn betrieben wird!

Stellwerk Bf SchwanenbrückeIm „kleineren“ und etwas vereinfachten Umfang wird der Bf Schwanenbrücke mit fast der gleichen Technik wie der Bf Peißnitzexpress betrieben. Die Einrichtungen des Streckenblockes entstammen jedoch nicht der Ära der Relaisstellwerke, sondern den wesentlich älteren mechanischen Stellwerken. Mit der Einbindung des Lokschuppens in den Bf Schwanenbrücke hat dieser Bahnhof seine besondere Bedeutung zur täglichen Betriebsaufnahme und zum Betriebsende, dann nämlich sind mehr oder weniger aufwendige Rangierarbeiten zur Zugbildung und zum Abstellen der Fahrzeuge erforderlich. Mitunter werden hier auch besetzte Züge mit anderen Triebfahrzeugen bespannt!

Mit der Blockstelle Birkenallee wird der Rundkurs der Parkeisenbahn in insgesamt drei Blockabschnitte unterteilt, so dass sich ein interessanter und abwechslungsreicher Mehrzugbetrieb durchführen lässt. Diese Möglichkeit wird – vom Fahrgastaufkommen abhängig – besonders an den Wochenenden und bei Großveranstaltungen genutzt. Zwischen den Zugfolgestellen (Bahnhof, Blockstelle) darf sich dabei immer nur ein Zug befinden, Fahrten in entgegengesetzter Richtung sind innerhalb eines Blockabschnittes technisch zu verhindern! Das sind Grundsätze der Eisenbahnsicherungstechnik, wie sie auch bei der Parkeisenbahn Anwendung finden.

Ein echtes Formsignal der DR bemerkt jeder Besucher, bevor er überhaupt in Reichweite des Fahrkartenschalters am Bf Peißnitzexpress kommt. Auch wenn dieses Signal nicht der Betriebsführung dient, ist es doch voll funktionsfähig.

Im Anliegen, historische Technik zu bewahren, hat unser Verein für den Bf Schwanenbrücke vor wenigen Jahren ein elektromechanisches Hebelwerk (technischer Stand 1912/1978) in Betrieb nehmen können und bemüht sich nunmehr, die Blockstelle Birkenallee in ein stilechtes mechanisches Stellwerk zu versetzen. Sofern diese Absichten gelingen, bietet die Parkeisenbahn Halle Stellwerkstechnik aus mehr als 100 Jahren Technikgeschichte in Funktionsfähigkeit!